Portrait

Portrait

Die Vereinigung führt seit der Bochumer Tagung am 15./16. Juni 2001 den Namen „Deutsch-italienische Juristenvereinigung. Vereinigung für den Gedankenaustausch zwischen deutschen und italienischen Juristen e.V.“.

[Aus: Jahrbuch für Italienisches Recht 13 (2000), 273 f.]
Prof. Dr.Herbert Kronke, Heidelberg/Rom

Vereinigung für den Gedankenaustausch zwischen deutschen und italienischen Juristen e.V.

Jeder Rechtsvergleicher weiß, dass es kein anderes Beispiel auf der Welt gibt, in dem sich zwei aus verschiedenen Rechtskreisen stammenden Rechtsordnungen gegenseitig so intensiv und nachhaltig befruchtet haben wie das deutsche und das italienische Recht. Deshalb lag es nahe (und benötigte überraschend lange Zeit), die vielfältigen persönlichen Verbindungen in Wissenschaft und Praxis unter einem organisatorischen Dach zusammenzufassen: 1964 gründeten der damalige BGH-Präsident Bruno Heusinger, der seinerzeit in Heidelberg lehrender Schweizer Professor Gerardo Broggini sowie eine Reihe weiterer Hochschullehrer und Praktiker die hier vorzustellende Vereinigung.

Die Initiative und das Beispiel Heusingers waren den höchsten Repräsentanten der deutschen Justiz auch in der Nachfolge Verpflichtung. Es bekleideten das Amt des Präsidenten der Vereinigung Generalbundesanwalt Ludwig Martin (1969­1981), Präsident des BGH Professor Dr. Gerhard Pfeiffer (1981­-1994) und seit 1994 Präsident des BGH Professor Dr. Walter Odersky. Ganz ähnlich wurde auch die italienische Schwestervereinigung, die Associazione per gli scambi culturali tra giuristi italiani e tedeschi, von Präsidenten des Kassationshofs, Mitgliedern des Staatsrates und Richtern des EuGH geleitet. Zahlreiche Bundesrichter und Präsidenten oberster Bundesgerichte und des Bundesverfassungsgerichts zählen zu den besonders aktiven Mitgliedern. Treibende Kräfte und gute Seelen auf deutscher Seite waren über Jahrzehnte Gerhard Luther, Erik Jayme und – vor allem – Wolfgang Grunsky, der fast ein Vierteljahrhundert ihr Generalsekretär war.

Die Vereinigung hat rund 1.000 Mitglieder, die italienische Schwestervereinigung rund 350. Justiz und Wissenschaft haben an ihrer Wiege gestanden. Doch sogleich nahm auch die Anwaltschaft starken Anteil und stellt heute über die Hälfte der Mitglieder in beiden Vereinigungen. Ursprünglich war vielleicht überlegt worden, die Deutschen in der deutschen und die Italiener in der italienischen Vereinigung zu organisieren. Heute geht es quer durch die Reihen, und etwa ein Viertel unserer Mitglieder dürften in Italien tätige Italiener sein. Anders als einige andere bilaterale Gesellschaften legt die deutsch-italienische Vereinigung größten Wert auf die Teilnahme von Studenten und Referendare mit Interesse an Italien und am italienischen Recht.

Alle zwei Jahre veranstalten beide Vereinigungen gemeinsam einen großen Kongress und zwar abwechselnd in Italien und Deutschland. Für den ersten wurde 1964 in Rom die Engelsburg geräumt.

Das Spektrum der Kongressthemen ist weit und reicht vom Verfassungs- über das Strafprozess- bis zum Bankvertrags- und Familienrecht, wobei aufgrund der Mitgliederwünschen ein Schwerpunkt auf den privat-, wirtschafts- und internationalrechtlichen Themen liegt. Weiterhin veranstaltet die deutsche Vereinigung jährlich im Zusammenhang mit der Mitgliederversammlung kleinere Arbeitstagungen. Hier wird ausschließlich von Mitgliedern zu aktuellen Entwicklungen auf den unterschiedlichsten Rechtsgebieten referiert. Schließlich kommt es vor, dass sich ein Thema gleichsam sein Forum sucht und die Vereinigung reagiert, indem ein Praktiker-Seminar, ein Workshop o.ä. etwa zur Medienkonzentration oder Titelanerkennung, Eignungsprüfung und Fragen des Berufseinstiegs im jeweils anderen Land durchgeführt wird.

Wie wissenschaftlich bedeutsam und praxisrelevant all diese Aktivitäten auch sein mögen, für zahlreiche Mitglieder stehen die freundschaftlichen Kontakte im Vordergrund. Die Familien werden einbezogen, manche Ehe ist von der Vereinigung gestiftet worden, ja, für etliche soll die Jahrestagung die Zeitrechnung bestimmen, so wie der Karneval dies bekanntlich im Rheinland tut.

Im Jahr 2000 wechselte das Generalsekretariat von dem Verfasser zu Peter Kindler. Seit 1988 erscheint – initiiert von Erik Jayme – das im Auftrag der Vereinigung von ihm und Heinz-Peter Mansel herausgegebene „Jahrbuch für italienisches Recht“.